Haut

150 kleine Fische gaben mir ein neues Lebensgefühl

Wer an Schuppenflechte leidet weiß, wovon ich spreche. Am ganzen Körper gerötete Stellen, die mit dicken weißen Schuppen versehen sind. Die Haut juckt, spannt, schmerzt - fast nicht zum Aushalten.

Seit reichlich einem Jahr, als diese Hauterkrankung bei mir akut ausbrach, bin ich Stammpatientin bei meiner Hautärztin. Drei- bis fünfmal in der Woche Bestrahlung, Verordnung von diversen Cremes, immunsuppressiven Präparaten, Fumarsäure, Ölbäder, Bluttests....Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich alles unternommen habe, um zumindest eine kleine Linderung zu erreichen. Alles vergebens.
Seit vergangenem Jahr hat mich die Schuppenflechte, wie schon gesagt, total befallen und ich frage mich immer wieder: “Warum gerade ich?“.

Doch es gab einen Lichtblick. Als ich im Frühjahr eine Hautmesse in München besuchte, sah ich die kleinen quirligen Fische, namens „Garra-Rufa“ das erste Mal in Natura. Auf dem Messestand der Klinik „Das Erlenbach“, in der ich später mit 150 dieser schwimmenden Gefährten unmittelbaren Kontakt hatte, stand ein Aquarium. Dicht umlagert, führten einige Besucher ihre Hände ganz langsam in das Becken und wurden von den Fischen sofort in Beschlag genommen.

Anfangs war ich sehr skeptisch. Doch das Gespräch mit dem Klinikinhaber, der diese Therapie als Erster in dieser Einrichtung mit großem Erfolg durchgeführt hat und die zahlreichen Fotodokumentationen von anderen Patienten ließen mich immer neugieriger werden. „Ich will diese Therapie durchführen“, mein Entschluss stand fest.

Im September fuhr ich nach Bad Mergentheim. Das Erlenbach war also für die nächsten vier Wochen mein zu Hause. Bevor ich das erste Mal zu meinen Fischen in die Wanne stieg, wurde ich vom leitenden Klinikarzt gründlich untersucht, mein Körper, an dem es nur noch wenige gesunde Hautstellen gab, fotografiert.

Und dann war es soweit. Das erste Bad. „Die Fische haben überhaupt keine Kontaktschwierigkeiten“, dachte ich so für mich. So, wie die an meine Haut gingen? Die erste halbe Stunde war etwas gewöhnungsbedürftig. Doch in der Folgezeit gewöhnt man sich sehr schnell an dieses kitzelige, massageartige Gefühl.

Den schönsten Moment für mich genoss ich am letzten Tag. Ich, oder besser gesagt, die Fische, hatten meine Schuppenflechte besiegt. Mein Körper ist vorerst befreit. Natürlich weiß ich, dass man diese chronische Hauterkrankung, nicht heilen kann. Doch ich werde in den nächsten Monaten strikt nach den Regeln, die ich in der Klinik gelernt habe, leben und somit versuchen, diesen sehr, sehr angenehmen Zustand solange wie möglich zu halten.

 



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